Das iranische Hochland. Resilienzen und Integration in vormodernen Gesellschaften

Das Salzbergwerk von Douzlākh liegt im nordöstlichen Teil des westlichen iranischen Hochlands. Diese Region hat eine lange und bewegte Geschichte von der Steinzeit bis in die Moderne, die uns jedoch noch viele Rätsel zu lösen aufgibt.

Das Forschungsprojekt um das Salzbergwerk von Douzlākh ist daher nun auch Teil eines Schwerpunktprogrammes (SPP) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG): „Das iranische Hochland: Resilienzen und Integration vormoderner Gesellschaften.“ Das SPP 2176 besteht aus 12 einzelnen Forschungsprojekten (und einem Koordinationsprojekt), die sich mit den Kulturen, der Geologie und den Sprachen des iranischen Hochlandes auseinandersetzen. Zeitlich reichen die Projekte von der frühen Menschheitsentwicklung im Paläolithikum bis weit in die islamische Zeit des 13. und 14. Jahrhunderts. Der Kernschwerpunkt aller Projekte ist das Thema Resilienz: Wie etablierten Gesellschaften oder Kulturen des iranischen Hochlandes widerstandsfähige und Krisen bewältigende Lebensweisen?

Wichtige Fragestellungen des Schwerpunktprogrammes ergeben sich auch aus der bedeutenden Rolle, die das iranische Hochland zu verschiedenen Zeiten einnimmt:

  • Gesellschaften dieser Region tauschen sich mit den umliegenden Kulturräumen in Mesopotamien, Kaukasien oder Mittelasien aus. 
  • Hier entwickeln sich mitunter intensive politische und wirtschaftliche Beziehungen.
  • Handel, Zuwanderung oder politische Inklusion spielen dabei eine wichtige Rolle.

Die Kulturen des iranischen Hochlandes verstanden es, diese Beziehungen in ihre eigenen Netzwerke zu integrieren, sie umzuformen oder sich ihnen gegenüber widerständig zu verhalten. Sie prägen dadurch die Menschen und Gesellschaften, mit denen sie Kontakt hatten und werden ebenso von diesen geprägt.

Eines der Forschungsprojekte beschäftigt sich beispielsweise mit den Rohstoffen des iranischen Hochlandes unter dem Titel: „Das iranische Hochland: Bergbaulandschaften des Zentralplateaus zwischen resilienten und prekären gesellschaftlichen und ökonomischen Strategien“. Teile dieser Region sind sehr trocken und viele Menschen leben von Vieh- und Landwirtschaft. Eines gibt es allerdings reichhaltig: mineralische und metallische Rohstoffe. Das sind zum Beispiel Salz, Kupfer, Blei, Silber und Zink.

Diese Rohstoffe, ihr Abbau und ihre Nutzung hatten eine wichtige wirtschaftliche und auch soziale Bedeutung. Sie waren oftmals so wichtig, dass sie auch maßgebliche Faktoren bei der Gründung von großen persischen Reichen waren. Dies wird besonders in der Eisenzeit ab dem Ende des 2. Jahrtausends v. u. Z. und während der archämenidischen (ca. 6. - 4. Jh. v. u. Z.)und vor allem auch sassanidischen (ca. 3. Jh. u. Z.  - 7. Jh. u. Z.) und frühislamischen Perioden deutlich. Im Umfeld solcher bedeutender Rohstoffquellen bilden sich Siedlungen und Subsistenzsysteme, die das Leben im iranischen Hochland maßgeblich beeinflussen.

Die Forschungen am Douzlākh und um die geographische und kulturelle Region des Salzbergwerkes sind Teil des DFG-Schwerpunktprogrammes, und wir rechnen mit neuen und spannenden Erkenntnissen rund um Douzlākh in der näheren Zukunft.

Mehr Informationen über das Schwerpunktprogramm und den einzelnen Projekten finden Sie unter: www.iranianhighlands.com

Gelesen 314 mal Letzte Änderung am Freitag, 23 Oktober 2020 19:26