Mittwoch, 07 Oktober 2020 08:52

Die Salzmänner - ein Kulturerbeprojekt

Wir wollen die Salzmänner lange bewahren, damit nicht nur wir, sondern auch kommende Generationen sie sehen, bewundern und erforschen können.

Salz

Salz ist ein hervorragendes Konservierungsmittel. Deswegen sind die Salzmänner so gut erhalten. Das Salz entzog Feuchtigkeit aus dem Körper. Daher können Fäulnisbakterien den Körper nicht zersetzen. Auch Pilze und andere Mikroorganismen, die zum Verwesen eines toten Körpers führen, können im hohen Salzgehalt nicht aktiv werden.

Die konservierenden Eigenschaften von Salz werden zum Haltbarmachen verschiedener Lebensmittel genutzt. Besonders leicht verderbliches Essen, wie Fisch, Fleisch und Gemüse, werden seit vielen Jahrhunderten mit Salz haltbar gemacht. Deswegen war und ist Salz schon immer ein wichtiger Bestandteil unserer Ernährung: früher als „weißes Gold“ gehandelt und heute vom handgeschöpften Naturprodukt bis zum Industrieprodukt ein Grundnahrungsmittel für jedermann.

Die Salzmänner sind so gesehen bereits konserviert, oder? Sie waren unter der Erde über die Jahrhunderte luft- und lichtgeschützt. Eine gleichmäßige, nur langsam schwankende Erdfeuchte umgab sie. Nun stehen sie im wahrsten Sinne des Wortes im „Rampenlicht“. Die Vitrinen schützen sie vor Staub und Berührung durch die Besucher, aber die Salzmänner sind den Einflüssen von Klima und Licht ausgesetzt.

Die Einflüsse von Licht, und insbesondere UV-Licht, kennen wir: Farben bleichen aus, Kunststoffe werden spröde. Ähnliche Auswirkungen kann das Licht auch auf die Salzmänner ausüben. Trockenheit führt zu Rissbildung, zu viel Feuchte begünstigt Schimmelwachstum – auch diesen Gefahren sind die Salzmänner ausgesetzt.

Wir wollen eine Komfortzone für unsere Salzmänner einrichten.

Ein Team von Konservatoren und Ingenieuren beschäftigt sich derzeit damit, einfache aber wirksame Lösungen zu entwickeln, damit über das ganze Jahr, Tag und Nacht, ein gleichmäßiges Klima im Raum und in der Vitrine herrscht. Das Licht wird gefiltert, so dass es zwar hell ist, aber die kurzwelligen UV-Strahlen nicht mehr auf die Objekte treffen.

Um eine gute Lösung zu entwickeln, müssen wir verstehen, wie das Klima auf die Salzmänner einwirkt. Es reicht nicht zu wissen, dass es im Sommer warm und im Winter kalt ist. Wir müssen auch verstehen, welchen Einfluss das Gebäude, die Heizung, die Klimaanlage auf die Umgebungsbedingungen haben.

Dafür werden Sensoren in den Vitrinen und im Raum angebracht, die permanent die Luftfeuchte und Temperatur messen. Die ersten Erkenntnisse sind, dass die Luftfeuchte über das Jahr keine großen Probleme darstellt. Allerdings sind die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht zu groß. Einfache Lüftungssysteme, die über die Luft den Raum kühlen oder wärmen, stellen eine gute Lösung dar.

Salzmann 1 Salzmann 4 in der Ausstellung Blick in die Ausstellung Salzmann 1 in der Ausstellung

Wenn nicht nur der Zahn der Zeit an den Salzmännern nagt

Wenn für die Salzmänner und Besucher:innen gute Umgebungsbedingungen herrschen, fühlen sich auch Insekten in den Räumen wohl. Sie finden im Museum ihre Nahrungsgrundlage und sichere Nistplätze. Dadurch richten sie jedoch Schäden an den wertvollen Museumsobjekten an.

Um Schäden durch Insekten zu vermeiden, setzt das Museumsteam das sog. Integrated Pest Management – kurz IPM – ein. Dabei geht es vor allem darum, das Eindringen und Einnisten der Insekten zu vermeiden, wo dies nicht möglich ist, deren Bestand zu beobachten und erst wenn die Population eine kritische Größe erreicht, mit Bekämpfungsmaßnahmen vorzugehen. Nach einer genauen Inspektion des Gebäudes wurden bereits Risse und Löcher, durch die unbemerkt Insekten ins Museum gelangen können, geschlossen. Klebefallen wurden aufgestellt, die in regelmäßigen Zeitabständen ausgewertet werden. Diese Methode wird „Monitoring“ genannt und hilft den Museumsmitarbeiter:innen dabei, sich eine Übersicht über die Insektenarten zu verschaffen. Die Standorte der Fallen und die Anzahl der darin gefangenen Insekten geben dem Museumsteam wertvolle Hinweise, über welchen Weg sie ins Museum gelangen und wo sie vermehrt auftreten. Da das Museumsteam die Insektenart bestimmen lassen kann, wissen wir nun, mit welchen gezielten Maßnahmen den Insekten ihre Lebensgrundlage (also Nistplätze und Nahrung) entzogen werden kann.

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Weitere Informationen zu den Patrimonial-Projekten findet ihr hier

Gelesen 276 mal Letzte Änderung am Samstag, 24 Oktober 2020 15:25